Tutorial: Bild- und Videoaufnahmen
Damit aus Ihren Fotos oder Videos ein hochwertiges 3D-Modell entstehen kann, muss die Rekonstruktionssoftware dieselben Bereiche in mehreren Aufnahmen wiederfinden. Dazu sucht sie nach wiedererkennbaren Merkmalen wie Kanten, Mustern oder Oberflächenstrukturen. Diese Merkmale sollten in überlappenden Bildbereichen und aus unterschiedlichen Blickwinkeln sichtbar sein.
Tipp
Die wichtigsten Voraussetzungen für eine hochwertige Rekonstruktion sind gleichmäßige Abdeckung, konstante Beleuchtung und scharfe Aufnahmen. Diese drei Faktoren haben meist einen größeren Einfluss auf das Ergebnis als die verwendete Kamera.
In diesem Tutorial zeigen wir Ihnen an einigen Stellen auf der rechten Seite eine interaktive Darstellung, die sowohl eine rekonstruierte 3DGS-Szene als auch die zugehörigen Kamerapositionen und Blickrichtungen der aufgenommenen Fotos und Videos darstellt. So können Sie die in den folgenden Schritten beschriebenen Aufnahmeprinzipien direkt nachvollziehen.
Motiv, Licht & Kamera
Eine erfolgreiche Rekonstruktion beginnt bereits vor der ersten Aufnahme. Wählen Sie nach Möglichkeit Motive mit ausreichend sichtbaren Strukturen und Details. Gebäude, Skulpturen, Maschinen oder Innenräume mit vielen Merkmalen lassen sich in der Regel gut rekonstruieren. Schwieriger sind spiegelnde, transparente oder stark bewegte Objekte wie Glas, Wasser oder Vegetation im Wind.
Lichtbedingungen
Eine möglichst gleichmäßige Beleuchtung erleichtert der Software das Wiedererkennen von Bildmerkmalen und sorgt für konsistente Aufnahmen.
- Vermeiden Sie starke Helligkeitssprünge innerhalb der Szene.
- Achten Sie darauf, dass sich die Beleuchtung während der Aufnahme nicht verändert.
- Vermeiden Sie harte Schlagschatten auf dem Motiv.
Viele Belichtungs- und Farbunterschiede lassen sich später in der Nachbearbeitung noch korrigieren. Harte Schatten werden jedoch häufig als Teil der Oberflächenstruktur erfasst und können nachträglich nur schwer oder gar nicht entfernt werden.
Tipp
Bei Außenaufnahmen liefert leicht bewölktes Wetter häufig bessere Ergebnisse als strahlender Sonnenschein, da harte Schatten und starke Kontraste reduziert werden.
Kameraeinstellungen
Stellen Sie Ihre Kamera vor Beginn der Aufnahme ein und vermeiden Sie Änderungen während des gesamten Aufnahmeprozesses.
Empfohlene Einstellungen
- Hohe Bildauflösung verwenden
- Fokus auf das Motiv setzen
- Gleichmäßige Belichtung sicherstellen
- Bildstabilisierung aktivieren
- Digitalen Zoom vermeiden
Wichtig
Wechselnde Belichtungen, Fokusänderungen oder unterschiedliche Zoomstufen können die Rekonstruktion beeinträchtigen. Halten Sie die Einstellungen während der gesamten Aufnahme möglichst konstant.
Moderne Smartphones liefern bereits sehr gute Ergebnisse. Wichtiger als professionelle Kameratechnik sind eine vollständige Abdeckung des Motivs, stabile Lichtverhältnisse und scharfe Aufnahmen.
Scharfe Aufnahmen sind eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Rekonstruktion. Unscharfe Bilder enthalten weniger verwertbare Merkmale und können die Berechnung von Kamerapositionen sowie die Qualität des resultierenden Modells beeinträchtigen.
Schärfe und Bildqualität
Überprüfen Sie Ihre Aufnahmen daher regelmäßig auf Bewegungsunschärfe, Fehlfokussierungen oder verwackelte Bilder. Insbesondere bei Videoaufnahmen können einzelne Frames deutlich unschärfer sein als der Rest des Datensatzes.
Tipp
Es ist in der Regel besser, unscharfe Bilder aus dem Datensatz zu entfernen, als sie für die Rekonstruktion zu verwenden. Auch wenn dadurch einzelne Bereiche schlechter abgedeckt werden oder kleine Lücken entstehen, führen unscharfe Aufnahmen häufig zu größeren Fehlern, Artefakten oder einer insgesamt schlechteren Rekonstruktionsqualität.
Falls durch das Entfernen von Bildern wichtige Bereiche fehlen, sollten diese möglichst erneut und in besserer Qualität aufgenommen werden.
Fotos oder Videos?
Für eine erfolgreiche Rekonstruktion muss jeder Bildausschnitt neue Informationen liefern. Erfassen Sie Ihr Motiv daher aus unterschiedlichen Positionen und Blickwinkeln und sorgen Sie für eine gleichmäßige Abdeckung aller Bereiche. Dies gilt unabhängig davon, ob Sie mit einem Smartphone, einer Spiegelreflexkamera, einer Action-Cam oder einer Drohne aufnehmen. Fehlende Perspektiven führen später häufig zu Lücken oder Artefakten im Modell.
Tipp
Wenn Sie noch wenig Erfahrung mit 3D-Rekonstruktionen haben, beginnen Sie mit einer Videoaufnahme. Für die bestmögliche Qualität sind Einzelbilder jedoch meist die bessere Wahl.
Fotoaufnahme
Einzelbilder liefern in der Regel die höchste Bildqualität und ermöglichen besonders detailreiche Rekonstruktionen. Sie eignen sich daher hervorragend für Objekte, Gebäude, Denkmäler oder andere Motive, bei denen maximale Genauigkeit gefragt ist. Gleichzeitig erfordern Fotoaufnahmen etwas mehr Sorgfalt, da auf eine ausreichende Überlappung zwischen den Bildern geachtet werden muss.
Empfohlen für:
- Höchstmögliche Rekonstruktionsqualität
- Objekte, Gebäude und Infrastruktur
- Drohnenaufnahmen größerer Bereiche
- Kontrollierte Aufnahmebedingungen
Videoaufnahme
Videoaufnahmen sind besonders einfach umzusetzen und eignen sich hervorragend für erste Rekonstruktionsversuche. Durch die kontinuierliche Bewegung entstehen automatisch viele überlappende Ansichten. Bewegen Sie die Kamera langsam und gleichmäßig und vermeiden Sie schnelle Schwenks oder abrupte Richtungswechsel.
Moderne Smartphones liefern bereits sehr gute Ergebnisse und sind für viele Anwendungsfälle vollkommen ausreichend.
Empfohlen für:
- Erste Rekonstruktionsversuche
- Innenräume und Umgebungen
- Schnelle Dokumentationen
- Smartphone-Aufnahmen ohne zusätzliche Ausrüstung
Richtwerte
Die benötigte Anzahl an Aufnahmen hängt von Größe und Komplexität des Motivs ab. Als Orientierung können folgende Werte dienen:
Objekte
- 100–300 Fotos
- 2–5 Minuten Video
Umgebungen und Räume
- 300–600 Fotos
- 5–10 Minuten Video
Wichtig
Die verwendete Kamera ist meist weniger entscheidend als die Qualität der Aufnahme. Ein Smartphone mit vollständiger Abdeckung und guter Überlappung liefert häufig bessere Ergebnisse als eine professionelle Kamera mit lückenhafter Dokumentation.
Aufnahmeweg planen
Bevor Sie mit der eigentlichen Aufnahme beginnen, sollten Sie das Motiv oder die Umgebung zunächst erkunden und eine geeignete Aufnahmeroute planen. Eine gute Vorbereitung hilft dabei, Lücken in der Erfassung zu vermeiden und sorgt für eine gleichmäßige Datengrundlage.
Achten Sie dabei auf mögliche Hindernisse, bewegliche Objekte oder Bereiche, die während der Aufnahme Probleme verursachen könnten. Dazu gehören beispielsweise Personen, Fahrzeuge, geöffnete Türen, reflektierende Oberflächen oder stark bewegte Vegetation. Wenn möglich, sollten solche Störquellen vor der Aufnahme entfernt oder minimiert werden.
Planen Sie anschließend einen Weg, der Sie systematisch um das Objekt oder durch die Szene führt. Ziel ist es, alle relevanten Bereiche aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erfassen, ohne dabei Bereiche zu überspringen oder unnötig oft aufzunehmen.
Tipp
Stellen Sie sich die Aufnahme als einen durchgehenden Rundgang vor. Die Kamera sollte sich kontinuierlich durch die Szene bewegen und dabei immer neue Perspektiven erfassen. Gleichmäßige Bewegungen führen meist zu besseren Ergebnissen als viele einzelne Stopps oder spontane Kurswechsel.
Während der Aufnahme
- Bewegen Sie sich langsam und gleichmäßig.
- Halten Sie einen möglichst konstanten Abstand zum Motiv.
- Erfassen Sie jeden Bereich aus mehreren Blickwinkeln.
- Variieren Sie bei Bedarf Ihre Höhe, um zusätzliche Perspektiven zu erhalten.
- Achten Sie darauf, dass die Kamera stets ausreichend Struktur und Kontext im Bild sieht.
Häufige Fehler
- Auf der Stelle stehen bleiben und lediglich schwenken.
- Sich im Kreis drehen, ohne die Position zu verändern.
- Zu dicht an Wänden oder Objekten entlanglaufen.
- Große Bereiche überspringen und später „nachholen“ wollen.
- Schnelle Richtungswechsel oder abrupte Bewegungen.
Tipp
Ein Gimbal kann die Qualität von Videoaufnahmen deutlich verbessern, indem es Verwacklungen reduziert und gleichmäßige Kamerabewegungen unterstützt. Besonders bei längeren Aufnahmen von Innenräumen, Gebäuden oder größeren Szenen sorgt dies häufig für schärfere Einzelbilder und stabilere Rekonstruktionen.
Besonderheiten bei Drohnenaufnahmen
Bei Drohnenaufnahmen ist die Routenplanung besonders wichtig, da nachträgliche Ergänzungen häufig aufwendiger sind als bei bodengebundenen Aufnahmen. Planen Sie den Flugweg daher bereits vor dem Start so, dass alle relevanten Bereiche mit ausreichender Überlappung erfasst werden.
Tipp
Denken Sie bei Drohnenaufnahmen nicht nur in einer horizontalen Flugbahn. Mehrere Umläufe in verschiedenen Höhen und Kamerawinkeln liefern häufig deutlich bessere Ergebnisse als ein einzelner Rundflug um das Motiv.
Für Gebäude und größere Objekte empfiehlt es sich, mehrere Umläufe in unterschiedlichen Höhen durchzuführen. Ergänzend können schräge Aufnahmen (Oblique Views) helfen, Fassaden, Dachbereiche und andere vertikale Strukturen besser zu erfassen. Vermeiden Sie große Sprünge zwischen einzelnen Flugbahnen oder Höhenstufen, damit ausreichend gemeinsame Bildbereiche für die Rekonstruktion vorhanden sind.
Achten Sie zudem auf Umgebungsbedingungen wie Wind, bewegte Vegetation oder wechselnde Lichtverhältnisse. Diese können zu unscharfen Bildern und Inkonsistenzen im Datensatz führen.
Mehrere Perspektiven erfassen
Eine einzelne Runde um ein Objekt oder durch eine Szene reicht in den meisten Fällen nicht aus, um alle relevanten Bereiche zuverlässig zu erfassen. Aus der 3D-Visualisierung auf der rechten Seite können Sie erkennen, dass hochwertige Datensätze aus mehreren Kamerabahnen bestehen, die das Motiv aus unterschiedlichen Höhen und Blickwinkeln dokumentieren.
Bewährt hat sich ein Vorgehen mit drei aufeinander aufbauenden Umläufen entlang derselben Route. Dadurch werden Bereiche sichtbar, die aus einer einzelnen Perspektive verdeckt oder nur unzureichend erfasst werden. Führen Sie die folgenden Durchgänge möglichst ohne Unterbrechung und mit gleichmäßiger Bewegung aus.
Jeder Umlauf verfolgt dabei einen eigenen Zweck:
- Grundumlauf auf Augenhöhe: Erfasst die Hauptstruktur des Motivs und bildet die Grundlage der Rekonstruktion.
- Erhöhter Umlauf aus der Vogelperspektive: Ergänzt Oberseiten, horizontale Flächen und Bereiche, die aus normaler Höhe nicht sichtbar sind.
- Niedriger Umlauf aus der Froschperspektive: Erfasst Unterseiten, Sockel und andere verdeckte Bereiche in Bodennähe.
Gemeinsam sorgen diese drei Perspektiven für eine deutlich vollständigere Abdeckung des Motivs. In der 3D-Ansicht können Sie die einzelnen Kamerabahnen nachvollziehen und erkennen, wie sich die verschiedenen Blickwinkel gegenseitig ergänzen.
Grundumlauf auf Augenhöhe
Tipp
Betrachten Sie in der 3D-Ansicht die Kamerapositionen des ersten Umlaufs. Sie bilden meist einen gleichmäßigen Ring um das Motiv oder entlang der Hauptroute durch die Szene.
Der erste Umlauf bildet die Grundlage Ihrer Aufnahme und sollte immer zuerst durchgeführt werden.
- Halten Sie die Kamera auf Augen- oder Brusthöhe.
- Richten Sie die Kamera auf das Zentrum des Motivs oder der Szene.
- Bewegen Sie sich entlang der geplanten Route um das Objekt oder durch die Umgebung.
- Erfassen Sie Wände, Möbel, Fassaden oder andere Strukturen in ihrer natürlichen Perspektive.
Diese Aufnahme liefert die meisten Informationen zur horizontalen Struktur der Szene und dient als Referenz für die nachfolgenden Durchgänge.
Erhöhter Umlauf aus der Vogelperspektive
Tipp
Die Kamera sollte nur leicht nach unten geneigt sein. Ein zu steiler Blickwinkel reduziert die Überlappung mit den übrigen Aufnahmen.
Wiederholen Sie nun denselben Weg mit einer erhöhten Kameraposition.
- Halten Sie die Kamera über Kopf oder nutzen Sie eine erhöhte Position.
- Richten Sie die Kamera leicht nach unten.
- Folgen Sie möglichst exakt derselben Route wie beim ersten Umlauf.
- Erfassen Sie Oberseiten, Dachbereiche, Tischflächen oder andere zuvor verdeckte Bereiche.
Dieser Durchgang ergänzt Informationen, die aus Augenhöhe nicht sichtbar sind, und verbessert die Rekonstruktion von horizontalen Flächen erheblich.
Niedriger Umlauf aus der Froschperspektive
Tipp
Die Kamera sollte nur leicht nach oben geneigt sein. Ein zu steiler Blickwinkel reduziert die Überlappung mit den übrigen Aufnahmen.
Führen Sie abschließend einen weiteren Umlauf mit abgesenkter Kamera durch.
- Halten Sie die Kamera auf Hüft- oder Kniehöhe.
- Richten Sie die Kamera leicht nach oben.
- Folgen Sie erneut derselben Route.
- Erfassen Sie Unterseiten, Sockel, niedrige Strukturen oder Bereiche unter Möbeln und Vorsprüngen.
Durch diesen zusätzlichen Blickwinkel werden viele verdeckte Bereiche sichtbar, die weder aus Augenhöhe noch aus erhöhter Perspektive erfasst werden können.
Besonderheiten bei Räumen und Umgebungen
Die bisherigen Beispiele in diesem Tutorial konzentrieren sich auf einzelne Objekte, die umrundet werden. Bei Innenräumen, Gebäuden oder größeren Umgebungen befindet sich die Kamera hingegen innerhalb der Szene und erfasst die Umgebung nach außen.
Tipp
Werfen Sie einen Blick auf die 3D-Visualisierung. Die Kamerapositionen bilden dort ein zusammenhängendes Netz von Aufnahmen. Je besser die einzelnen Bereiche miteinander verbunden sind, desto stabiler und vollständiger wird die spätere Rekonstruktion.
Die grundlegenden Prinzipien bleiben dabei unverändert: hohe Überlappung, gleichmäßige Bewegungen und mehrere Perspektiven. Auch die zuvor beschriebenen drei Umläufe können direkt auf Räume und Umgebungen übertragen werden. Statt um ein Objekt herumzuführen, folgen Sie dabei einer Route durch den Raum oder entlang der Umgebung.
Der Raum als Aufnahmeobjekt
Betrachten Sie den gesamten Raum oder die Umgebung als das eigentliche Motiv. Ziel ist es, Wände, Decken, Böden, Möbel und andere Strukturen möglichst vollständig und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erfassen.
Wichtig
Vermeiden Sie es, längere Zeit an einer Stelle zu stehen und sich lediglich um die eigene Achse zu drehen. Bewegen Sie sich stattdessen kontinuierlich durch den Raum und wenden Sie die zuvor beschriebenen Umläufe entlang Ihrer Route an.
Planen Sie Ihre Route daher so, dass alle Bereiche miteinander verbunden sind und ausreichend überlappen:
- Bewegen Sie sich systematisch durch den Raum oder entlang von Wegen.
- Erfassen Sie Ecken, Nischen und Übergänge aus mehreren Blickwinkeln.
- Vermeiden Sie größere Lücken zwischen einzelnen Aufnahmebereichen.
- Halten Sie die Kamera während der Bewegung möglichst stabil.
Blickrichtung und Bewegung
Anders als bei einzelnen Objekten gibt es häufig keinen zentralen Punkt, auf den die Kamera ausgerichtet werden kann. Richten Sie die Kamera stattdessen auf die Bereiche, die Sie gerade erfassen möchten, und sorgen Sie dafür, dass ausreichend Teile der Umgebung im Bild sichtbar bleiben.
Besonders wichtig ist dabei die tatsächliche Bewegung durch die Szene. Die Software benötigt nicht nur unterschiedliche Blickrichtungen, sondern vor allem unterschiedliche Kamerapositionen, um die räumlichen Zusammenhänge zu erkennen.
Ergänzende Aufnahmen
Nicht alle Bereiche einer Szene sind gleich wichtig. Oft gibt es einzelne Objekte, Exponate, Maschinen, Kunstwerke oder architektonische Details, die später besonders genau betrachtet werden sollen.
Tipp
Stellen Sie sich die Frage: „Welchen Bereich möchte ich später aus nächster Nähe betrachten?“ Genau diese Bereiche sollten zusätzliche Aufnahmen erhalten.
Nehmen Sie sich nach den drei Umläufen gezielt Zeit für diese Bereiche:
- Umrunden Sie das Objekt in kleinen Halb- oder Vollkreisen.
- Erfassen Sie es aus unterschiedlichen Höhen und Blickwinkeln.
- Verringern Sie den Abstand, um zusätzliche Details aufzunehmen.
- Achten Sie weiterhin auf ausreichende Überlappung zwischen den Aufnahmen.
Je mehr unterschiedliche Perspektiven eines wichtigen Details vorhanden sind, desto besser kann die Rekonstruktionssoftware dessen Geometrie und Oberflächenstruktur erfassen.
Boden- und Deckenaufnahmen
Für die meisten Anwendungen reichen die drei Standard-Umläufe bereits aus. Wenn jedoch die höchstmögliche Qualität angestrebt wird, können ergänzende Aufnahmen von Boden- und Deckenbereichen sinnvoll sein.
Tipp
Boden- und Deckenaufnahmen sind insbesondere bei Innenräumen, historischen Gebäuden, Industrieanlagen oder anderen dokumentarischen Anwendungen sinnvoll. Für schnelle Erfassungen können sie meist entfallen.
Für Bodenaufnahmen:
- Halten Sie die Kamera möglichst nah über dem Boden.
- Richten Sie sie weitgehend parallel zur Bodenfläche aus.
- Bewegen Sie sich entlang derselben Route wie bei den vorherigen Umläufen.
Für Deckenaufnahmen:
- Richten Sie die Kamera möglichst parallel zur Decke aus.
- Erfassen Sie Deckenstrukturen, Beleuchtungselemente oder andere Bereiche, die bisher nur aus schrägen Blickwinkeln sichtbar waren.
- Bewegen Sie sich erneut entlang der bekannten Route.
Achten Sie dabei darauf, nicht zu nah an Wände, Möbel oder andere Objekte heranzugehen. Die Software benötigt ausreichend Kontext im Bild, um die Kameraposition zuverlässig bestimmen zu können.
Schwierige Situationen
Nicht jede Szene lässt sich unter idealen Bedingungen aufnehmen. Einige Motive und Umgebungen stellen besondere Herausforderungen für Rekonstruktionsverfahren dar. Mit etwas Vorbereitung lassen sich viele dieser Probleme jedoch reduzieren.
Spiegelnde und transparente Objekte
Glas, Wasser, Spiegel oder hochglänzende Oberflächen verändern ihr Erscheinungsbild je nach Blickwinkel. Dadurch können Bildmerkmale zwischen einzelnen Aufnahmen schwer wiedererkannt werden.
Tipp
Oft liefert die Umgebung eines reflektierenden Objekts wertvollere Informationen als die reflektierende Oberfläche selbst.
Empfehlungen:
- Erfassen Sie möglichst viel der Umgebung um das Objekt herum.
- Vermeiden Sie direkte Lichtquellen und starke Reflexionen.
- Nehmen Sie zusätzliche Perspektiven auf.
- Akzeptieren Sie, dass bestimmte Bereiche möglicherweise nicht vollständig rekonstruiert werden können.
Bewegte Objekte
Rekonstruktionsverfahren gehen davon aus, dass sich die Szene während der Aufnahme nicht verändert. Bewegungen können daher zu Artefakten oder fehlerhaften Geometrien führen.
Typische Beispiele sind:
- Fahrzeuge
- Tiere
- Menschen
- Türen oder Tore
- Bildschirme und Displays mit wechselnden Inhalten
Wenn möglich, sollten bewegte Objekte aus dem Aufnahmebereich entfernt oder während der Aufnahme vermieden werden.
Menschen und personenbezogene Daten
Bei Aufnahmen im öffentlichen oder halböffentlichen Raum sollten datenschutzrechtliche Aspekte berücksichtigt werden.
Achten Sie insbesondere auf:
- Personen im Aufnahmebereich
- Gesichter
- Fahrzeugkennzeichen
- Namensschilder
- Bildschirminhalte
- Persönliche Dokumente oder Informationen
Falls Personen unvermeidbar sind, sollten diese möglichst nicht im Fokus der Aufnahme stehen oder später anonymisiert werden.
Wichtig
Informieren Sie sich vor der Aufnahme über die geltenden Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte in Ihrem Einsatzgebiet.
Vegetation und Wind
Bäume, Büsche, Gras oder andere Pflanzen bewegen sich bereits bei leichtem Wind. Dadurch können sich Strukturen zwischen einzelnen Aufnahmen verändern.
Empfehlungen:
- Nach Möglichkeit bei windarmen Bedingungen aufnehmen.
- Besonders wichtige Bereiche zusätzlich dokumentieren.
- Mehr Perspektiven erfassen als bei statischen Motiven.
- Bewegte Vegetation nicht als primäre Referenzstruktur nutzen.
Kleine Bewegungen sind meist unproblematisch. Starker Wind kann jedoch die Qualität einer Rekonstruktion deutlich beeinträchtigen.
Qualitätskontrolle vor Ort
Bevor Sie den Aufnahmeort verlassen, sollten Sie Ihre Aufnahmen kurz überprüfen. Fehlende Bereiche oder fehlerhafte Aufnahmen lassen sich direkt vor Ort deutlich einfacher ergänzen als bei einem späteren Besuch.
Tipp
Führen Sie direkt nach der Aufnahme eine kurze Stichprobenkontrolle durch. Bereits wenige Minuten Überprüfung vor Ort können einen erneuten Besuch des Aufnahmeortes vermeiden.
Checkliste
Prüfen Sie folgende Punkte:
- Sind alle relevanten Bereiche des Motivs erfasst?
- Wurden die drei Perspektiven (Augenhöhe, Vogelperspektive, Froschperspektive) aufgenommen?
- Gibt es ausreichend Überlappung zwischen den Aufnahmen?
- Sind wichtige Details zusätzlich dokumentiert?
- Sind die Aufnahmen scharf und frei von starker Bewegungsunschärfe?
- Gab es während der Aufnahme starke Änderungen der Beleuchtung?
- Wurden störende Personen oder bewegte Objekte erfasst?
- Sind Boden- und Deckenbereiche ausreichend dokumentiert (falls relevant)?
- Sind die Dateien vollständig gespeichert und verfügbar?
Die nächsten Schritte
Mit den in diesem Tutorial beschriebenen Schritten haben Sie die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche 3D-Rekonstruktion geschaffen: einen hochwertigen Datensatz aus Fotos oder Videos.
Die eigentliche Rekonstruktion beginnt jedoch erst jetzt. Je nach Aufnahmemethode und gewünschtem Ergebnis können zusätzliche Verarbeitungsschritte die Qualität der späteren 3DGS-Rekonstruktion deutlich verbessern.